Presseinformation Juni 2009
06.06.2009, 12:26 von Christina Groll
physiosail – trotz Schlaganfall segeln
Aasee, Münster
Im Projekt physiosail nutzten die ersten beiden Schlaganfall-Patienten das Segeln als Therapieergänzung. Die Physiotherapeutin Christina Groll ist zusammen mit ihnen vom 15.-26.06.09 täglich auf dem Aasee in Münster segeln gegangen. In Kooperation mit der Yachtschule Overschmidt bietet Groll, unterstützt von einer weiteren Kollegin, das Segeln an, um die Rumpfstabilität zu trainieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Physiosail wird unter anderem von den Firmen tactix durch die Bereitstellung von Hood Yachting Gear und Wellendorf onlinemedien unterstützt.
Die Teilnehmer lernten in den zwei Wochen
die Segel zu bedienen, das Boot zu steuern, alle relevanten Knoten
sowie die Vorfahrtsregeln kennen. Beide Teilnehmer hatten nicht nur viel
Spaß, sie konnten auch körperliche Fortschritte verzeichnen. Die nötige
Hilfestellung durch die Physiotherapeutin beispielsweise bei den
Seitenwechseln an Bord wurde zusehend geringer. Auch der Einstieg in das
Boot gelang den Teilnehmern am Ende der zweiten Woche mühelos.
Beide Segler hatten vor mehreren
Jahren einen Schlaganfall und haben seitdem Einschränkungen der Arm-
und/oder Beinfunktion. Für beide war es das erste Segelerlebnis ihres
Lebens und sie waren beigeistert. Gerne würde beide Probanden das Segeln
als Hobby fortsetzen, sagen aber auch, dass es sie es am besten mit
einer Physiotherapeutin an Bord machen würden.
Groll, die Initiatorin hat bereits im
Ausland Erfahrungen in der Therapieergänzung durch Segeln gesammelt und
betreut aktuell das paralympische Segelteam.
Im Rahmen des Projekts physiosail wird
eine Studie durchgeführt, in der das Segeln wissenschaftlich untersucht
wird.
Die Möglichkeit zur Anmeldung für
zwei weitere Gruppen im August und weitere Informationen erhalten Sie
unter www.physiosail.de
Hintergrund, Expertise
von Christina Groll
Groll ist staatlich examinierte
Physiotherapeutin und studiert derzeit an der Hochschule für angewandte
Wissenschaft und Kunst - HAWK Hildesheim, Holzminden, Göttingen den
Master of Science in Physiotherapie. Weiterhin weist sie langjährige
Segelerfahrung als Skipperin und in internationalen Regatten auf.
Derzeit betreut sie unter anderem das
paralympische Segelteam.
Im Rahmen ihrer Master-Arbeit möchte sie
die Auswirkungen des Segelns untersuchen. In anderen Ländern wie
beispielsweise Schweden werden Aktivitäten wie das Segeln bereits in die
Rehabilitation von Patienten mit Schlaganfall oder
Querschnittslähmungen eingesetzt.
Durchführung des Projekts physiosail
Bei physiosail gehen max. drei Teilnehmer
gleichzeitig zehn mal zwei Stunden mit einer segelerfahrenen
Physiotherapeutin auf das Wasser, wobei Sie an Bord alle anfallenden
Aufgaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten übernehmen werden. Da die
Tätigkeiten beim Segeln sehr komplex sind, werden die Teilnehmer
vermutlich versuchen ihre betroffenen Extremitäten bestmöglich
einzusetzen, wodurch sich die Funktionen verbessern. Da sich eine
Segeljolle bereits bei schwachen Winden bewegt, sind die Segler
kontinuierlich gezwungen diese Bewegungen auszugleichen und ihr
Gleichgewicht zu halten. Groll vermutet, dass dadurch die
Rumpfstabilität optimal trainiert wird.
Die Teilnehmer müssen frei sitzen und
mindestens den Übergang vom Rollstuhl zum Boden mit Hilfe bewältigen
können. Sie müssen jedoch weder laufen noch stehen können. Auch
Segelerfahrungen sind nicht notwendig.
Eine Gefahr besteht für die Segler nicht,
da alle Schwimmwesten tragen werden. Außerdem wird Groll sicherstellen,
dass die Segelgröße den Winden angepasst ist und die Segler zu Beginn
einweisen.
Wissenschaftliche
Erhebung
Um die Wirksamkeit des Segelns
nachzuweisen, nehmen alle Segler an einer Studie teil. Im Rahmen dieser
werden sie sowohl Fragebögen ausfüllen als auch einen Test zur
Rumpfstabilität und Armfunktion durchführen. Weiterhin werden die
Teilnehmer zu Ihren Erfahrungen an Bord und den daraus resultierenden
Veränderungen befragt werden.
Die Segler haben jederzeit die
Möglichkeit ihre Teilnahme zu beenden.

